Ausgabe #9 vom

Editorial

In eigener Sache

Liebe Leserinnen und Leser,
 
 
“Feel the difference!”, “Face the game!“, “Fight the players!” Was nach einer Mischung aus Auto-, Sportwetten- und Computerspielwerbung klingt, ist in Wirklichkeit der Titel des Aufrufs eines so genannten „Antifa-Mobi-Blocks“ zu Aktivitäten gegen den „Anti-Islamisierungskongress“ der rechtsdemokratischen Partei Pro Köln, welcher am 19. – 21. September 2008 stattfinden soll. Weil der Antifa AK der Uni Köln, der den Aufruf verbrochen hat, sich im Fahrwasser des antifaschistischen Populismus bewegt – sprich: die Massen agitieren will –, verwundert die Werbesprache kaum. Es geht eben nicht um Gesellschaftskritik, sondern um eine Volksfront gegen Rechts. Wer nun aber plumpen Antirassismus in Form allseits beliebter und bewährter Islam-Verharmlosung erwartet, wird auf den ersten Blick eines Besseren belehrt: Denn man hat inzwischen gelernt, ja vielleicht sogar begriffen, dass der Islam durchaus weniger herzlich ist als man das vor gar nicht so langer Zeit noch behauptet hat. Doch die Eintrittskarte für den deutsch-deutschen Diskurs über Rassismus hat der AK vorsichtshalber doch gelöst – er unterscheidet strikt zwischen Islamismus und den angeblich so friedlichen und vielfältigen Formen des Islam und sichert sich dadurch die Anschlussfähigkeit. Besonders stolz scheint man aber auf die eigens geplante Konferenz zu sein, die auf der entsprechenden Website eifrig mit einer Bootladung von Ankündigungstexten beworben wird. Das betont pluralistische Programm, das sich wie ein Rundflug über alle Gebiete der deutschen Linken liest, weist darauf hin, dass es mal wieder um alles, und damit um nichts, gehen wird. Die Konferenz wird als Bühne für egomane Selbstdarsteller und dilettierende Schnarchnasen fungieren und dem „berechtigten“ Bürgerprotest nur eine weitere Note hinzufügen. Schließlich sollen alle zu Wort kommen: Auch Kopftuch-Befürworterinnen wie Birgit Rommelspacher oder der antiwestliche Islam-Freund Georg Klauda. Apropos sterbensöde: Star-Gast des ganzen Tam-Tams wird die Oberpfeife der Jungle-World, Bernhard Schmid, sein. Der Verzicht auf eine wirklich subversive Intervention in die falsche Gesellschaft zeigt leider nur wieder einmal, dass die Linke entweder tot oder reaktionär ist. Da hilft es auch nichts, wenn scheinbar kritische Gruppen wie die kölnische Postantifafraktion namens „MAD“ einen proisraelischen Funktionär der Linkspartei – Sebastian Voigt – einlädt, um ihn – natürlich kritisch! – über das Thema „Integration“ akademisieren zu lassen.
 
 Es ist immer wieder erstaunlich, wie die alles andere als neue Kritik an genau diesem Verhalten spurlos an allen Protagonisten vorbei zieht. Völlig unfähig zur Auseinandersetzung mit dieser Kritik, plant und organisiert man Kongresse, Podiumsdiskussionen, Workshops, Camps usw. und überspielt damit mehr schlecht als recht das eigene Unvermögen und den eigenen Unwillen, sich mit den weiß Gott unseligen Verhältnissen ernsthaft zu befassen. Die Linken agieren wie Automaten, die immer aufs Neue ein Programm abspulen, dem sie nicht entrinnen können. Wüsste man es nicht besser, man glaubte nicht mehr daran, dass es sich um – so die klassische Definition – „vernunftbegabte Lebewesen“ handelt. Dass die Menschen ihrem Gattungswesen doch noch einmal entsprechen mögen, hofft inständig
 
 Die Redaktion
 
 Köln, August 2008