Ausgabe #6 vom

Editorial

In eigener Sache

Liebe Leserinnen und Leser,
 
 am 16. Juni hatte die Kölner Linke mal wieder die Gelegenheit, ihr kritisches Potential unter Beweis zu stellen – und scheiterte grandios. Als nämlich die rechtsextreme Bürgerbewegung Pro Köln gegen den Bau einer „Zentralmoschee“ demonstrierte, um sich bei jenem Drittel der Kölner Bevölkerung einzuschleimen, das laut einer Umfrage im Auftrag des Kölner Stadtanzeigers gegen den Bau ist, wäre es an radikalen Kritikern gewesen, gegen die widerlichen Rassisten um den Neonazi Manfred Rouhs und gegen den Moscheebau gleichzeitig zu demonstrieren. Das hat sie unterlassen und sich stattdessen erneut in die Reihen der Zivilgesellschaft eingegliedert, von der sie – trotz räumlicher Trennung zur DGB-Kundgebung – inhaltlich ununterscheidbar war. Einig war man sich, dass Islamkritik Rassismus sei und dass der Bau einer Zentralmoschee ein unhinterfragbares Recht ist, das aus dem Gebot der Religionsfreiheit erwachse. Kein Sterbenswörtchen der Kritik an den islamischen Zumutungen, die auch in Köln nur allzu offensichtlich sind, war zu vernehmen und niemand warf faule Eier als die Islambeauftragte der SPD, Lale Akgün, ihre Predigt nur folgerichtig mit dem Ausruf „Wir sind Deutschland!“ beendete, wofür sie mit frenetischem Beifall bedacht wurde.
 
 Die Kölner Linke hat immer noch nicht ihren Weg aus den Fängen einer Zivilgesellschaft gefunden, die, wenn sie Tacheles redet, immer öfter ankommt, wo Jürgen Trittin bereits ankert: bei der Bewunderung für die Hisbollah. In der taz vom 29. Juni forderte er nicht nur „Wir müssen mit der Hisbollah reden“, sondern ist sogar voll des Lobes für die Partei Gottes: „Ich habe […] den Eindruck, dass die Hisbollah sich sehr positiv in die Gestaltung des politischen Prozesses im Libanon einbringt.“ Und wer Nasrallah schätzt, der sollte auch den Bau von Moscheen in Deutschland fordern. Vielleicht ist das nächste Mal nicht die Ditib die Bauherrin, sondern gleich Milli Görüs oder – die Hisbollah. Von wegen Dialog und „positivem Einbringen“ und so.
 
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 Die Debatte um Marxsche Positionen wird in dieser Ausgabe fortgesetzt, und zwar deutlich zugespitzt. Wer sich beteiligen möchte, möge sich unter der Redaktionsadresse melden. In der nächsten Ausgabe wird es wohl noch einmal einen kurzen Text von der Redaktion geben, die sich mit einzelnen Argumenten Elbes befasst, nachdem die Artikel in dieser Ausgabe etwas grundsätzlicher ausgefallen sind.
 
 Viel Vergnügen bei der Lektüre.
 
 Redaktion Prodomo
 
  Köln, Juli 2007