Ausgabe #5 vom

Minority Report

Islamophilie und Sektenphobie

HORST PANKOW

Manchmal sieht man sich beim Betrachten laufender Ereignisse zur Korrektur von Ansichten veranlasst, die man zuvor für gut begründete hielt. In einer solchen Situation befand ich mich Anfang des Jahres, als sich die Unrichtigkeit einer bis dahin von mir – auch in dieser Zeitschrift (1) – vertretenen Einschätzung über einen interessanten Nebeneffekt der deutschen Islamophilie erwies. Die Sektenphobie der Deutschen, hatte ich angenommen, die bis in die späten 90er Jahre bizarre Blüten vor allem mit der öffentlichen Erregung über gemutmaßte Verschwörungsabsichten der US-amerikanischen Scientology-Church hervorbrachte, würde der Vergangenheit angehören, mit der sich entfaltenden Islamophilie hätte sie sich schlichtweg überlebt. Denn wer sich mit dem Islam und seinen barbarischen Implikationen so gut zu arrangieren verstand wie Staat und Gesellschaft hierzulande, schien über die sachlich lächerliche Verteufelung einer verschwindend kleinen Minderheit von religiösen Spinnern weit erhaben. Wer der Ausbreitung einer auf Koran und Scharia gründenden tatsächlichen Parallelgesellschaft so gelassen bis unterstützend begegnete wie die Deutschen und ihr Staat, brauchte sich über die im Vergleich zu den islamischen Communities mikroskopisch kleinen Segmente von Heilsgläubigen anderer Richtungen doch wirklich nicht zu echauffieren.
 
 Selbstverständlich war mir klar, dass der deutsche Staat – wie jeder Staat – auch weiterhin grundsätzliche Zweifel an der staatsbürgerlichen Loyalität der als Psychosekten geschmähten Gruppen hegen würde. Schließlich handelt es sich bei ihnen ja zumindest solange um unzuverlässige Vereine, wie sie die Weisheiten ihrer erleuchteten Führer als wahrhaftiger und vor allem verbindlicher ansehen als entsprechende Emanationen des staatlichen Souveräns. Aber das gilt für den Islam und die Söhne Allahs auch und noch in stärkerem Maß. Während Scientologen und Ähnliche bislang der christlichen Maxime, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist, folgten und ihr Terror sich schlimmstenfalls als Psychoterror gegen eigenwillige Mitglieder richtet, gehen die Rechtgläubigen des Islams ein paar Schritte weiter. Es war ja kein scientologisches Familiengericht, das Anfang 2006 in Berlin-Neukölln dem jüngsten Sürücü-Sohn die Knarre in die Hand legte, damit er im Namen des Allmächtigen seine Schwester Hatun richtete, weil die sich erdreistet hatte zu „leben, wie eine Deutsche“, der nicht zuletzt physische Terror, mit dem die geschätzten Muslime die Geltung ihres politreligiösen Wahns vertreten, war aber hierzulande niemals Anlass für Zweifel an der Zivilisationsfreundlichkeit des Islam. Unter vorsätzlich anmutender Absehung von den solche Taten begründenden und legitimierenden religiösen Quellen wird stets zwischen einem als grundsätzlich friedlich vorgestellten Islam und seiner irgendwie fehlgeleiteten Interpretation durch übereifrige Anhänger unterschieden. Ein argumentatives Verfahren, das z. B. sehr an die Verharmlosung polizeilicher Brutalität, falls sie denn mal auf öffentlich artikuliertes Befremden stößt, als „Übergriffe“ und „bedauerliche Einzelfälle“, von denen die „Rechtsstaatlichkeit“ insgesamt nicht tangiert werde, erinnert.
 
 Angesichts des Relativismus gegenüber der von Anhängern des Islams tatsächlich ausgeübten Eigengesetzlichkeit und des Verständnisses, das man vor dem Hintergrund einer sich verschärfenden weltpolitischen Konkurrenz zwischen EU und USA den antiamerikanischen und antiisraelischen Ambitionen islamischer Anspruchshalter nicht erst seit dem berüchtigten 11. 9. entgegenbringt, schien die Einschätzung, „Peanuts“ wie die scientologische Kirche und ihre Gläubigen könnten für die deutsche Öffentlichkeit zum vernachlässigenswerten Schnee von gestern werden, durchaus zutreffend sein. Das war ein Irrtum. Ein Irrtum, der in der peinlichen Rubrik „Rationalisierung des Irrationalen“ zu archivieren sein wird.
 
 Eine Welle der Panik schien im Januar durch die Berliner Innenstadt zu rollen. Wer davon auf den Straßen nichts zu bemerken vermochte, wurde durch die Lektüre der Tageszeitungen, vor allem ihrer Lokalteile eines anderen belehrt. Die pure Angst schien umzugehen. Und wie immer, wenn erwachsene Deutsche von solchem Affekt ergriffen werden, galt ihre Sorge zunächst der Brut: „Eltern haben Angst um ihre Kinder“, hieß es im Tagesspiegel am 6. Januar, „täglich wenden sich besorgte Charlottenburger an die Sektenbeauftragte des Senats“. Die Nennung der Adressatin zeigte an, dass diesmal nicht vor der Klimakatastrophe oder den Kinderschändern Angst geschoben wurde, sondern vor der Weltverschwörung der Sekten. Zunächst aber machten die ungewöhnlich milden Temperaturen dieses Winters – Achtung Klimakatastrophe! – den Berlinern offenbar viel mehr Angst als die Objekte der Sektenbeauftragten. Denn, wie der Tagesspiegel ebenfalls vermeldete, erreichten diese Person „seit November … täglich ein bis zwei [!] besorgte Anrufe oder Briefe aus Charlottenburg. Eltern haben Angst, dass ihre Kinder auf dem Schulweg beeinflusst werden könnten.“ Nun haben Kinder bekanntlich kein Anrecht auf eine Beeinflussung, die nicht von ihren Eltern und staatlich bestallten Erziehern bzw. lizensierten Massenmedien ausgeht, Erwachsene aber eigentlich auch nicht, sonst bedürfte es keines Verfassungsschutzes und ähnlicher Dienste. Die nichtautorisierte Beeinflussung der Brut schien ein Aspekt, aber nicht Grund der Berliner Panik zu sein.
 
 Auch der Anlass schien sich in einer banalen Immobilienangelegenheit zu erschöpfen: „Im November hat die umstrittene Scientology-Organisation … ein neues Gebäude bezogen. Heute in einer Woche sollen die sechs Stockwerke mit 4000 Quadratmetern in Anwesenheit von Scientology-Prominenz eingeweiht werden.“ Um solcher Neuigkeit mit mehr als der ihr adäquaten Gleichgültigkeit zu begegnen, musste den Lesern schon mehr geboten werden. Dies erfolgte im Tagesspiegel durch Heranziehung einer kompetenten auswärtigen Autorität, was in Berlin immer gut ankommt, weil es den Weltstadtcharakter des Kaffs betont: „’Es ist zu befürchten, dass nun in der neuen Berliner Repräsentanz Scientologen aus ganz Europa zusammengezogen werden’, sagt Ursula Caberta, die in der Innenverwaltung des Hamburger Senats die Arbeitsgruppe Scientology leitet, die einzige dieser Art in Deutschland.“ Mit einem gelangweilten „Na und“, schließlich würden ein paar hundert Bekloppte mehr in Berlin auch nicht besonders auffallen, wollte man das Blatt schon beiseite schieben, da stieß man auf eine retrograde Chronologie: “Erst vor drei Monaten wurde in London ein neues Gebäude eröffnet, 2004 in Madrid, vor sechs Jahren in Brüssel.“ Auch nicht besonders brisant, aber dann kam’s hammerhart: „’Die Neueröffnungen sind Teil einer Kampagne, die zum Ziel hat, Europa endgültig zu scientologisieren’, sagt Ursula Caberta.“ Oh mein Gott, kommt nun doch der Untergang des Abendlandes, den zu betreiben man den lieben Muslimen seitens islamophober Machenschaften bislang noch erfolglos anzuhängen versuchte. Dafür spricht zumindest die Quelle allen Übels, das Geld und seine dubiosen Besitzer: „Das Gebäude“, weiß der Tagesspiegel, „hat eine Firma aus Kopenhagen gekauft; Scientology ist Mieter.“ Wer Kopenhagen uninteressant findet, steht als einfältiger Naivling da, aber „auch das verwundert Caberta nicht. ‚Die treten nie direkt als Käufer auf, auch in den anderen Städten waren es internationale Investmentbüros. Das Geld kommt aus den USA.“
 
 Das waren die entscheidenden Worte. Die endgültige Scientologisierung Europas wird an der Wall Street organisiert. Nicht nur ihre Immobilienerwerbungen zeigen, dass ein großer Teil des Kontinents bereits in scientologischer Hand ist: „Die Sekte hat bereits in Brüssel vorgemacht“, enthüllt die taz, „was mit eifriger politischer Beziehungspflege zu erreichen ist. Wegen des Lobbying der Scientologen wurden französisch-belgische Überlegungen für ein Gesetz nie Realität, das Sekten die Arbeit erschweren sollte, wenn sie psychisch-manipulative Methoden anwenden.“ Und in Berlin haben die Verschwörer bereits wichtige Teile der Justiz unter ihre Kontrolle gebracht: Vor vier Jahren verfügte das Verwaltungsgericht die Einstellung der Scientologen-Observation durch den Verfassungsschutz. Dass diese Entscheidung nur von gehirngewaschenen Zombies in schwarzen Roben getroffen werden konnte, darüber ließ der Tagesspiegel keinen Zweifel aufkommen, als er ungewöhnlich ausführlich aus einer Klageschrift der Konspirateure zitierte, „der das Gericht und die Innenverwaltung gefolgt“ seien: „Bei der Scientology-Kirche hat es nie etwas gegeben, das einer Beobachtung bedurft hätte. Erwähnungen in den Verfassungsschutzberichten wurden gezielt als Diskriminierungsinstrument eingesetzt. Die in den letzten Jahren veröffentlichten Berichte der Berliner Verfassungsschutzbehörde sind an Substanzlosigkeit und Banalität nicht zu überbieten.“ Der perfide Schachzug offenbarte nicht nur die vorangeschrittene Scientologisierung der Berliner Justiz, er bewirkte, dass nun „der Innenbehörde die Hände gebunden“ sind. „Da wir die Organisation nicht beobachten“, zitiert der Tagesspiegel einen Sprecher des Innensenators, „wissen wir auch nichts.“ Es war bekanntlich eine diabolische Meisterleistung des Teufels, der Welt Glauben zu machen, er existiere gar nicht …
 
 Wie zu erwarten, sollte sich bald engagierter Widerstand gegen das Komplott erheben. Bei der Eröffnung des Gebäudes, an der wie zur frivolen Verhöhnung aller professionellen und ehrenamtlichen Sektenbeauftragten auch Personal der US-Botschaft teilnahm, hielten junge Leute die aufrüttelnde Losung „Gehirnwäsche – nein danke!“ hoch. Diese kreative Initiative ergänzten die Betreiber einer benachbarten Kleinkunstbühne mit dem Rückgriff auf eine bewährte Tradition der Reichshauptstadt: An der Eingangstür hatten sie – Warnung und Bekenntnis in einem - den Hinweis „Scientology-Mitglieder haben bei uns Hausverbot“ angebracht. Bekennertum stand nun auf der Tagesordnung: „Ich frage mich“, so abermals die umtriebige Ursula Caberta im Tagesspiegel, warum die richtigen Kirchen sich noch nie dagegen gewehrt haben, dass sich Scientology Kirche nennt.“ Sollten etwa auch die … ? Nein, auch bei den Richtigen regt sich Widerstand. Einer, der die letzten zweieinhalb Jahrzehnte im heldenhaften Abwehrkampf gegen die Sektengefahr verbrachte, ist Thomas Gandow, er hatte einst als gläubiger Maoist („Liga gegen den Imperialismus“) einen religiösen Weg beschritten, auf dem ihn später die Anstellung als „Sektenbeauftragter der evangelischen Landeskirche“ in Berlin erwartete. „Das Wort ‚Kirche’ komme von dem griechischen ‚kyriakion’ und bedeute ‚zum Herrn gehörend’. Der Herr“, wird Gandow vom Tagesspiegel wiedergegeben, „das ist Jesus Christus. Mit Jesus aber habe Scientology nichts gemein. Im Gegenteil, sagt Gandow. Scientology-Gründer L. Ron Hubbard habe behauptet, Jesus Christus habe nicht existiert und das Christentum sei ein elektronisches Implantat.“ Da hatte der Kerl aber Glück, in einem elektronischen Zeitalter zu leben, sonst hätte er leicht als menschliches Implantat eines Scheiterhaufens enden könne. Merkwürdig nur, dass Gandows Kollege von der katholischen Konkurrenz, die doch einst für die Implantierung von Scheiterhaufen im öffentlichen Raum zuständig war, sich heute so defensiv verhält: „Die Aufgabe der katholischen Kirche sei es vielmehr, darüber aufzuklären, was Scientology macht. Und da bemerke man schnell, dass das mit Kirche und Religion nichts zu tun hat, sondern viel mit ‚Wald- und Wiesenpsychologie.“
 
 An so was wird freilich das Abendland nicht zuschanden gehen. Und so bedurfte es des berufenen Mundes von CDU-Generalsekretär Roland Pofalla tatsächlich Aufrüttelndes zu sprechen. Der Berliner Senat „habe mit seiner beliebigen Politik in Wertefragen ein Klima geschaffen, das solche Organisationen anziehen müsse. Wer den Kampf gegen gefährliche Seelenfänger ernst nehme, dürfe nicht den christlichen Religionsunterricht abschaffen, ‚wie Berlin das getan hat’.“ (Tagesspiegel 11. 01. 2007) Gut gebrüllt, Löwe. Vielleicht wird die einstige Frontstadt Berlin ja zu Ausgangspunkt einer antiscientologischen Reconquista Europas.
 
 Ob diese jedoch im Zeichen des Kreuzes stattfinden würde, ist allerdings fraglich. Wesentliche Verbündete bei einem solchen Projekt dürften dem entschieden widersprechen. „Deutschland wird geliebt, weil man die Werte liebt, die sein Volk auszeichnen“, sagt Hadayatullah Hübsch, Sprecher der fundamentalislamischen Ahmadiya-Bewegung in einem Interview mit Hier & Jetzt (Nr. 3 2006), einem von den Jungen Nationaldemokraten herausgegebenen Blatt. Der mit der Legende eines 68er-Veterans versehene Hübsch vereinigt in seiner Person Deutschtum und Islamismus und macht das auch anhand seiner Haltung zu Wertefragen im Jungnazi-Blatt deutlich: „Dass trotz aller Verfallserscheinungen von Moral und so weiter bei Muslimen familiäre Bindungen noch einen hohen Rang einnehmen, ist für viele in unserem Land doch eine positive Herausforderung.“
 
 Natürlich legt man hierzulande keinen Wert darauf, den Interviewer als Bündnispartner zu gewinnen, als Neonazi gilt er als Volksfeind und persona non grata. Den Interviewten aber schätzt man schon: Etwa zur gleichen Zeit, als in Berlin das schreckliche Ausmaß der Scientologisierung Europas offenbar wurde, eröffnete die Ahmadiya-Bewegung eine Moschee in einem nördlichen Vorort des Berliner Bezirks Pankow. Anwesend waren neben allerlei Moslem-Prominenz auch Vertreter der lokalen Politik, der Bezirksbürgermeister hielt eine freundschaftlich gestimmte Ansprache. Zuvor hatte es heftige Proteste der Anwohner gegen den Bau gegeben. Obgleich diese bemüht dem allgemeinen Konformismus in Inhalt und Vokabular reproduzierten und nur bescheiden in Frage stellten, dass die islamischen Werte mit denen eines idealisierten Westen tatsächlich vereinbar wären, wurden sie in der Öffentlichkeit durchweg als neonazistisch denunziert. Ihre öffentlichen Distanzierungen von Neonazis konnten ihnen da auch nicht helfen – im Gegenteil, dadurch schienen sie sich nur noch verdächtiger zu machen. Eine signifikante Rolle in der Denunziationskampagne spielten Teile der Berliner Schrumpf-Linken: „Hoyerswerda in Pankow“ titelte die Jungle World und die Gruppe Kritik und Praxis rief gar zu einer proislamischen Demonstration am Berliner Stadtrand auf; erfreulich daran war nur die geringe Teilnehmerzahl.
 
 Die allgemeine Befürwortung des Moschee-Baus konnte durch die Nähe der Bauherren zu Nazi-Gedankengut, die der Ahmadiya-Sprecher nicht nur im zitierten Interview bekräftigte, nicht getrübt werden. Weder das Wissen um seine Publikationen in einem rechtsradikalen Verlag noch ein der „Jungen Freiheit“ gewährtes Interview – was bei anderen zumeist für einen peinlichen Skandal sorgt - änderten daran etwas. Interessanterweise ist die Ahmadiya-Bewegung eine Vereinigung, deren Strafanzeige gegen eine Islamkritikerin wegen Verstoßes gegen § 166 StGB (Gotteslästerungsparagraph) von einem deutschen Gericht abgewiesen wurde. Das Gericht sah sich nicht in der Lage, die inkriminierten, von der Kritikerin gezogenen Parallelen zu nationalsozialistischem Gedankengut beziehungsweise mafiösen Strukturen“ als strafrechtlich relevant zu bewerten. Es handele sich dabei vielmehr um „eine Auseinandersetzung in der Sache“. (2)
 
 Die Schriften der Ahmadiyas sind im Internet allgemein zugänglich (www.ahmadiya.de). Jeder kann sich dort ein Bild darüber machen, was die Mitglieder dieser Organisation beispielsweise über Frauen, Homosexuelle und Juden denken und wie sie gedenken, mit diesen umzugehen. Niemand braucht die oben zitierte Nazi-Postille zu erwerben, um darin etwa auch Äußerungen des Ahmadiya-Sprechers nachzulesen wie: „Für viele [Muslime] ist Hitler immer noch ein großer Führer. Man schätzt an den Deutschen ihre sprichwörtlichen Tugenden, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Sauberkeit, Opferbereitschaft.“ So etwas findet sich in breitgetretenerer Form auch in den Ahmadiya-Internettexten. Darüber aber sprechen auch solche Scientologen-Jäger nicht, die behaupten, diese Texte zu kennen. Vom taz-Interviewer auf mögliche Ähnlichkeiten zwischen den Protesten gegen Scientology und denen gegen Ahmadiya angesprochen, antwortet Frank Nordhausen, „Sektenexperte“ der Berliner Zeitung: „Das kann man nicht vergleichen. Ich kenne die Ahmadiya-Gemeinde und weiß, dass es dort nicht zu erwarten ist, dass die auf der Straße Schulkinder und Passanten agitieren.“
 
 Deutsche Sektenphobie und Islamophilie sind also kein Widerspruch. Im Gegenteil, sie ergänzen sich vielmehr. Die Deutschen geben sich aus dem gleichen Grund so genussvoll der Dämonisierung kleiner Psychogruppen hin wie dem Konsum von allerlei Romanen und Filmen über Illuminaten, Tempelritter und obskure Komplotte. Es handelt sich um eine projektive Faszination. Es sind eigene Allmachtswünsche und –phantasien, die auf die in allen Fällen fiktiven Verschwörer übertragen werden. Wer möchte nicht in solchen Zeiten wie diesen an den Möglichkeiten einer Organisation partizipieren, die Reichtum, Macht und Einfluss verheißt, obwohl man dafür mit den staatlich legitimierten und garantierten Mitteln nicht ausgestattet ist. Freilich ist der staatliche Souverän nicht nur von abgrundtiefem Misstrauen gegen alle Parallelvereinigungen erfüllt, er ist auch stärker als diese, in seiner Macht steht es, über Legalität oder Illegalität ihrer Existenz zu entscheiden. Darum ist die phantasierte Rolle eines Sektenopfers attraktiver als die eines realen Mitglieds. Denn so erreicht man zweierlei: Man kann seine Omnipotenzphantasien in Form der genussvollen Beschäftigung mit den Bösen intensiv ausleben und kann als Opfer gleichzeitig auf die Protektion der großen Sekte Deutschland spekulieren.
 
 
 Anmerkungen:
 
 (1) Vgl. Der Muslim-Test, in: Prodomo Nr. 2/2006. 

(2) Sören Pünjer, Allahs nützliche Idioten, in: Bahamas Nr. 51/2006. Dieser informationsreiche Artikel beschreibt aufschlussreich Hintergrund, Szenerie und Verlauf der Auseinandersetzung um den Moscheebau bis etwa Ende 2006.

(3) Diese Zahl gab Mitte Januar das dem Bundesinnenministerium assoziierte „Islam-Archiv“ bekannt. Im vorherigen Registrierungszeitraum lag die Zahl bei knapp über 1.500. Ein rasanter Anstieg also, dessen Brisanz noch durch den Umstand unterstrichen wird, dass es im Islam keine einheitliche Registrierungsweise gibt, man die Zahl der Moslems nicht so einfach erheben kann wie etwa die der Christen. Die Zahl der Konvertiten könnte daher noch wesentlich höher sein.