Ausgabe #5 vom

„Emotionsgeladene Wutausbrüche“ und ihre Folgen

German Images (3)

BASTIAN ASSION

Wenn in Deutschland eine Friedensdemonstration angekündigt wird, dann kann mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass es sich um eine antiamerikanische und/oder antisemitische Manifestation handelt. Die Friedensdemonstranten eint ein Hass auf die mit Israel und den USA assoziierten westlichen Werte, welche den Deutschen nach 1945 aufgezwungen werden mussten und die nun – im Zeichen der Regime-change-Strategie - auch die islamischen Gesellschaften bedrohen. Ob eine Friedensdemonstration mehrheitlich von Linken, Nazis, Bürgern oder Moslems durchgeführt wird, ist nur noch an der Wortwahl erkennbar. Während Linke, sobald es um Israel geht, meistens noch von „Besatzern“ oder „Zionisten“ sprechen, haben Moslems weniger Probleme, offen auszusprechen, welcher Wunsch sie antreibt. Nämlich: “Tod den Juden".
 
 Deshalb darf es nicht überraschen, dass diese Vernichtungsdrohung bei einer Demonstration gegen den Libanonkrieg am 24. Juli 2006 in Saarbrücken erschallte, als drei Personen die Frechheit besaßen, dem dort versammelten antisemitischen Mob, der unter anderem Hisbollah- und Hamasfahnen mit sich führte, einen symbolischen Protest durch das Zeigen zweier Israelfahnen entgegen zu setzen. Die israelische Fahne erzürnte dabei Nasrallahs willige Vollstrecker so sehr, dass sie ihren Worten Taten folgen ließen: Etwa 50 der 350 Demonstranten stürmten auf die drei Protestler zu und fingen an, auf sie einzuprügeln, wobei einer der drei am Auge verletzt sowie eine der Israelfahnen von ihnen erbeutet und zerrissen wurde. Nur durch schnelle Flucht und das Eingreifen der Polizei konnten schlimmere Verletzungen vermieden werden. Dass die Demonstranten ihre Arbeit nicht vollenden, also: die als Juden Identifizierten nicht zu Tode prügeln konnten, störte die friedliebenden Anhänger des Propheten, so dass nach Beendigung der Demonstration fünfzig mit Dachlatten bewaffnete Gotteskrieger durch die Saarbrücker Innenstadt zogen und die Israelfreunde – glücklicherweise vergeblich – suchten.
 
 Momentan hat die Aktion zumindest für einen der drei Antifaschisten zusätzlich ein juristisches Nachspiel. Seit Mitte September ermittelt das saarländische LKA gegen ihn aufgrund des mutmaßlichen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Nach den zwei anderen Beteiligten wird nach wie vor gefahndet. Die Fahndung diente unter anderem zur Begründung einer am  27. Oktober 2006 bei dem Beschuldigten durchgeführten Hausdurchsuchung – die inzwischen vom Landgericht Saarbrücken für rechtswidrig erklärt wurde –, bei der ein Laptop, ein Computer sowie diverses Aktenmaterial beschlagnahmt wurden. Die Begründung dieser Durchsuchung verdient es, zitiert zu werden: Der Beschuldigte habe "durch Hochheben israelischer Flaggen und Rufen ,hoch lebe Israel’ bei einen Teil der , wie ihm bekannt, antiisraelisch eingestellten Demonstranten emotionsgeladene Wutausbrüche und infolge dessen von diesen ausgehende Handgreiflichkeiten und volksverhetzende Äußerungen wie ‚Tod den Juden’ verursacht". (1) Die Begründung lautet also: Sobald Moslems einen Juden entdecken, sind sie nicht mehr fähig, rational zu denken, sondern ihre verständliche emotionale Betroffenheit aufgrund der Gebaren des Weltjudentums lässt ihnen keine andere Wahl, als den lokalisierten Feind anzugreifen. Der Israelfreund ist wie der Jude also selber schuld, wenn er totgeschlagen wird, da er die Gefühle der Moslems durch seine Anwesenheit verletzt, und so emotionale Wutausbrüche beziehungsweise Vernichtungsgedanken bei den eigentlich friedliebenden Moslems auslöst.
 
 Neben der Staatsanwaltschaft hat sich natürlich auch die Linke zu Wort gemeldet. So fand am 23. Januar in Saarbrücken eine Demonstration von mehreren Antifagruppen aus dem Saarland statt, die sich gegen Polizeirepression und deutsche Zustände richtete. Im Aufruf zur Demonstration heißt es: „Exemplarisch für die ansteigende Repression gegenüber Migranten, Antifaschisten sowie sozial schwachen Menschen stehen einige Vorfälle aus Saarbrücken in den letzten Monaten“ (2). Die Verfolgung der israelsolidarischen Antifaschisten, die erst durch die Zusammenarbeit von islamischem Lynchmob und deutscher Justiz möglich wurde, wird so gleichgesetzt mit gewalttätigen Übergriffen der Saarbrücker Polizei auf Migranten und Drogenabhängige. Die Solidarität erfolgt also aufgrund der staatlichen Verfolgung von Antifaschisten und nicht aufgrund dessen, dass das Tragen einer Israelfahne in Deutschland nach wie vor zu körperlichen Angriffen führen kann. Die Demonstration war somit keineswegs israelsolidarisch – auch wenn sich die meisten Teilnehmer wohl als Freunde Israels verstehen würden –, sondern stellt vielmehr eine Verharmlosung der Vorfälle dar.  
  
 
 Anmerkungen:
 
 
(1) Alle von mir verwendeten Informationen  zu den Vorfällen können nachgelesen werden auf der Seite www.antifa-saar.de.vu. (Orthografie und Grammatik wie im Original.)
 
 (2) http://www.fightthepower.de.vu/