Ausgabe #5 vom

Das Geld des Geistes

Sechs Thesen zur Kritik der formalen Logik

PHILIPP LENHARD

Da Ingo Elbe sich in seinem Rundumschlag (Elbe 2007) gegen die „Theologen“ offensichtlich auf „einen wissenschaftlich etablierten Vernunfttypus“ stützen muss, womit er die formale Logik meint, ist es angebracht, einige grundsätzliche Bemerkungen zum Verhältnis von kommunistischer Kritik und formaler Logik zu machen. Der „etablierte Vernunfttypus“, auf den Elbe sich beruft, zeichnet sich – wie er wissen könnte – dadurch aus, dass er die Kritik der herrschenden Zustände gerade nicht zum Zwecke hat, sondern vielmehr unter dem ideologischen Postulat der „Widerspruchsfreiheit“ zum bloßen Instrument der Aufrechterhaltung von Herrschaft erstarrt. Die wenigen Ausnahmen von kritischen Geistern im akademischen Betrieb sind es deshalb, weil sie nicht auf diesen Vernunfttypus setzen, oder zumindest nicht so, wie es die wissenschaftliche Routine von ihnen verlangt. Kritisch ist Theorie erst dann, wenn sie die formale Logik als Voraussetzung bürgerlicher Wissenschaft nicht bloß als „Werkzeug“ fraglos anwendet, sondern sie als notwendige Denkform einer spezifischen Gesellschaftsform erkennt. Dieser Form sind aufgrund ihrer gesellschaftlich vermittelten Gültigkeit Grenzen gesetzt, die nicht der Form selbst, sondern der Welt, welche durch die formale Logik erfasst und geordnet werden soll, innewohnen. Diese Grenzen können nicht in der logischen Form erfasst werden, da diese ein geschlossenes System der Identität darstellt, sondern müssen in der Konfrontation der Logik mit ihren gesellschaftlichen Bedingungen ermittelt werden. Die These lautet also, zusammen gezurrt: wenn die herrschende Gesellschaftsform eine überwindbare und die Logik als objektive Denkform ein Produkt des Kapitals ist, dann muss die Kritik des Kapitals die Kritik der formalen Logik (1) einschließen. 
 
 I.
 Dass die formale Logik dem menschlichen Denken von Natur aus als Struktur zugrunde liege, ist im Wissenschaftsbetrieb – zumal in der Philosophie – allgemein anerkannt. Doch so unverzichtbar sie für die Wissenschaft sein mag, so notwendig sie sich dem Denkenden als sich von selbst verstehende Denkform darstellt – die formale Logik ist ein Produkt der gesellschaftlichen Verhältnisse. Gerade weil sie so unmittelbar einleuchtet, ist ihr zu misstrauen, denn die Unmittelbarkeit ist Schein: ihre Geltung ist durch die gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse vermittelt. Formale Logik ist objektive Denkform des Werts, weil sie auf Identität noch dort dringt, wo der Widerspruch schlicht nicht aufzulösen ist. Ein Widerspruch wie der, dass ein Ding nicht zugleich identisch mit und unterschieden von ein- und demselben anderen Ding sein kann, wird von der formalen Logik nicht als solcher festgehalten, sondern für nicht-existent, für „unmöglich“ erklärt. Deshalb beruht sie auf Verdrängung, einer unbewusst vollzogenen psychischen Leistung des Über-Ichs. Weil diese Verdrängung periodisch wiederkehrt, um die durch die Logik vermittelte Einheit des Subjekts, dessen „Identität“ – wie man so treffend sagt –, nicht zu gefährden, hat sie sich in die „Natur des Menschen“ eingeschrieben. Diese logische Einheit ist gleichsam zur anthropologischen Konstante erstarrt, in der die Geschichte der Verdrängung ausgelöscht ist. Wie das Geld die Einheit aller Gebrauchswerte ist sie die Einheit aller Denkinhalte, weshalb Marx die Logik auch „das Geld des Geistes“ und den „abstrakt sich erfassende[n] entfremdete[n] Geist der Welt“ (Marx 1985, S. 571) nennt. Es ist dies aber keine bloße Parallele zwischen Geld und Logik, sondern Geld wie Logik sind in ihrer Genese nur durch die Tauschhandlung bündig zu erklären (Vgl. Adorno 1997b, S. 149f). 
 
 II.
 Der historisierend auftretende Einwand, die Logik könne nicht Denkform des Werts sein, denn sie existiere schon sehr viel länger als die kapitalistische Produktionsweise, wirft Tauschgesellschaft und spezifisch kapitalistische Produktionsbedingungen in eins. So wenig der Wert schon als Kapital erscheint, solange eine „einfache Warenproduktion“ vorliegt (2), so wenig ist zu leugnen, dass er bereits in antiken Tauschgesellschaften die Einheit der produzierten Gebrauchswerte darstellte, denn gerade das ist ja sein Wesen. Ohne Wert kein Tausch und umgekehrt: wenn Tausch, dann auch Wert, das hat Marx zum Verdrusse aller Anhänger des gerechten Tausches gezeigt. Doch der oben genannte Einwand hat auch seine Berechtigung, denn Alfred Sohn-Rethels Hinweis (Vgl. Sohn-Rethel 1973, S. 112f. und Sohn-Rethel 1976, S. 83), der als Beweis dienen soll, dass die Logik in der Geschichte zum ersten Mal dort auftaucht, wo der Warentausch eine gewisse, wenn auch vorerst noch kleine Rolle innerhalb der gesamtgesellschaftlichen Reproduktion zu spielen beginnt (Subsistenzwirtschaft und kriegerische Beutezüge sind noch maßgeblich für die gesellschaftliche Reproduktion), besagt leider nur, dass die Logik zu dieser Zeit zum ersten Mal Gegenstand philosophischer Reflexion wurde. Wenn Sohn-Rethel die Entstehung der Philosophie mit der Entstehung des Geldes analogisiert, dann ist das zunächst eben nicht mehr als eine Analogie, ein Indiz. Es ist bisher nicht bewiesen worden (und ich werde das auch nicht versuchen), dass die Menschen vor Aristoteles tatsächlich auch nicht logisch gedacht haben. Allerdings, und das ist die Crux: das Gegenteil bislang auch nicht. Damit taugt eine historische Analyse weder dazu, die Wertförmigkeit der Logik zu beweisen, noch dazu, deren ewige, von einer bestimmten Gesellschaftsform unabhängige Gültigkeit zu plausibilisieren.
 
 III.
 Eine Sache rein logisch betrachten heißt: von ihrem Inhalt absehen, also genau das tun, was der Warenbesitzer im Tauschprozess tut, wenn er zwei sinnlich verschiedene Gebrauchswerte auf die leere gesellschaftliche Form, auf den Wert, reduziert. Er sieht vom Gebrauchswert ab, weil er sonst den Tausch überhaupt nicht vollziehen könnte, in dem sich der Tauschwert von Ware A im Gebrauchswert der Ware B und umgekehrt ausdrückt. Marx weist daraufhin, dass beide Waren „also gleich einem Dritten“ sind, „das an und für sich weder das eine noch das andere ist. Jedes der beiden, soweit es Tauschwert, muß also auf dies Dritte reduzierbar sein.“ (3) Der Wert als die Einheit der Waren beruht also darauf, dass von der Verschiedenheit der Waren im Tausch abstrahiert wird. Die Formel der einfachen relativen Wertform lautet daher: x Ware A = y Ware B. In dieser Formel ist die Nichtidentität in Identität überführt, aber nicht ausgelöscht. Sie ist noch sichtbar, aber nicht mehr in ihrer rohen, ursprünglichen Form, sondern als Gebrauchswert, in dem zugleich die Identität mit dem anderen Gebrauchswert erscheint. Die Nichtidentität wird in der Wertform zur Erscheinungsform ihres Gegenteils: der Identität. Die Wertform ist also, paradoxerweise, ein objektiver Widerspruch.
 
 Die relative Wertform als allgegenwärtige gesellschaftliche Form hat sich in der formalen Logik auch zur vorherrschenden Erkenntnisform verfestigt. In der formalen Logik werden wie die Waren im Tausch atomare Sätze in einer genau vorgeschriebenen, also rechtlich fixierten (4) Weise zu einem Argument synthetisiert, das aus einer Verknüpfung von exakt definierten Zeichen besteht. Die formale Logik verfügt aufgrund des Erfordernisses der Eindeutigkeit und Exaktheit über verschiedene eigene Sprachen, Zeichensprachen, so wie der Warentausch die „Warenkunde“ (Marx) kennt. Ein Argument besteht aus einer beliebigen Anzahl von Prämissen und einer Konklusion. Die Schlüssigkeit eines Arguments hängt von der Wahrheit der Prämissen und den jeweiligen Junktoren, den Satzverbindungszeichen, ab. Das ganze System der Wahrheitstafel, auf dem die formale Logik beruht, ist zweiwertig: wahr oder falsch. (5) Ein Satz, der eine Eigenschaft, eine Tatsache oder eine Behauptung ausdrückt, kann nicht wahr und falsch zugleich sein, so wie die Ware im Tausch je nach Stellung entweder als Gebrauchswert oder als Tauschwert gilt. Die Mannigfaltigkeit atomarer Sätze wird durch die Logik synthetisiert, die als übergreifendes Ganzes den Einzelaussagen zugleich äußerlich ist (da sie sich nicht für ihren Inhalt interessiert) und ihnen doch erst Bedeutung verleiht. Nur logisch aufgebauter Text habe einen Wahrheitswert, behaupten die Logiker. Wie beim Warentausch ist aber die Inhaltslosigkeit der Logik nur vorgetäuscht, denn der Wahrheitswert der atomaren Sätze ist – wenn es sich nicht um Tautologien etwa der Form A→A oder A=A handelt – nur empirisch zu ermitteln. Der Inhalt eines Satzes verhält sich zu seiner logischen Form wie der Gebrauchswert zum Tauschwert. Der Gebrauchswert ist, logisch ausgedrückt, das Subjekt eines atomaren Satzes, und der Tauschwert sein Prädikat, also: x Ware A (Subjekt) ist (Kopula) y Geld wert (Prädikat): TW (gw). Die Logik ist ohne den Inhalt nichts und doch abstrahiert sie ständig von ihm. Sie ist abstrakte Allgemeinheit, die sich gleichgültig gegen ihre Voraussetzungen verhält. Daher hat sie sich zum automatischen Subjekt verselbständigt, funktioniert aus sich selbst heraus, indem sie sich jeden Inhalt einverleibt. Wer ein Logik-Buch zur Hand nimmt, sieht: Hier ist der Logiker bemüht, sich vollständig vom Inhalt zu befreien, er stürzt sich in Formeln und Variablen und kommt doch nie von der Empirie los, auf die er stets verwiesen ist. Die Krise tritt ein, wenn ein Widerspruch auftritt, der die Logik aus der Bahn wirft, indem er deren Gültigkeit bestreitet. Dann wird der Widerspruch gewaltsam aus der Welt befördert, indem das Argument verworfen, der Lächerlichkeit preisgegeben wird. 
 
 IV.
 Dass die Abstraktionsleistung sowohl des Tausches als auch der Logik überhaupt möglich ist, setzt voraus, dass Naturalform (Arbeitsprodukt/Aussage) und gesellschaftliche Form (Produkt abstrakter Arbeit/Atomarer Satz) des Gegenstandes nicht identisch sind. Die Wertform hat sich gegenüber der Naturalform, mit der sie zugleich untrennbar verbunden ist, verselbstständigt, so dass die Ware einen Doppelcharakter aufweist, der sich als Verdoppelung der Ware in Ware und Geld darstellt. So auch in der Logik: Der Satz verdoppelt sich in Gehalt und Wahrheitswert. Der Logiker benötigt den Gehalt nur, um den Wahrheitswert herauszufinden, der Verkäufer benötigt den Gebrauchswert nur, damit er seinen Wert realisieren kann. 
 
 Nun ist die Konsequenz dieser Überlegungen die, dass Marx’ Kategorien selber noch der kapitalistischen Denkform verhaftet sind, weil sie logisch entwickelt werden. Es klingt paradox: Marx setzt zu einer radikalen Kritik der kapitalistischen Produktionsweise an und entfaltet diese Kritik ausgerechnet in den Kategorien der kapitalistischen Denkform. (6) „Dialektisches Denken“, sagt Adorno, „ist der Versuch, den Zwangscharakter der Logik mit deren eigenen Mitten zu durchbrechen.“ (Adorno 1997a, S. 171) Es bleibt Marx auch überhaupt nichts anderes übrig: als kapitalistisches Subjekt, das unabhängig davon, ob es Kritiker der politischen Ökonomie oder Feuerwehrmann ist, der objektiven Denkform unterworfen ist, muss Marx seine Analyse logisch aufbauen. Er kann nur über die Logik hinaus, indem er sie über ihre Grenzen hinaus denkt, sie an ihr Ende führt, was mit dem „Gegenstand“ des Kapitals offenbar erreicht ist: hier blamiert sich jede Logik an der Unvernunft und tatsächlichen Unmöglichkeit des Kapitals. Die Kritik der politischen Ökonomie ist also notwendig darauf verwiesen, logisch vorzugehen, darf dabei jedoch nicht stehen bleiben, sondern muss auf die Logik als Denkform des Abzuschaffenden selbst reflektieren.
 
 V.
 Deshalb ist es wichtig, Marx’ Logik-Begriff von dem Hegels zu unterscheiden. Für Hegel ist die formale Logik im Unterschied zur Dialektik nur ein „gesunder Menschenverstand“ (Vgl. Marcuse 1980, S. 97). In der Enzyklopädie unterscheidet Hegel zwischen der „abstrakten oder verständigen“ und der „dialektischen oder negativ-vernünftigen“ Logik (Vgl. Hegel 1969-71a, S. 168. Vgl. auch Hegel 1969-71b, S. 227) und bereits in der Vorrede zur Phänomenologie spricht Hegel davon, dass die Begriffe des Falschen und des Wahren „außer ihrer Einheit“ etwas anderes bedeuten als in dieser (dialektischen) Einheit (Hegel 1969-71b, S. 41). Aber die Einheit des Widerspruchs ist bei Hegel nicht, wie Adorno sagt, „Index der Unwahrheit von Identität“ (Adorno 1997b, S. 17), sondern „das wahrhafte Resultat“ (Hegel 1969-71b, S. 74), also ein Positives. Bei Marx jedoch bedeutet die Einheit des Widerspruchs etwas völlig anderes, nämlich nicht die Aufhebung des Widerspruchs, sondern nur „die Form, worin“ die Widersprüche „sich bewegen können“ (Marx 1989a: S. 118). Insofern ist bei Marx Formkritik und Ideologiekritik ein- und dasselbe. Im Resultat dieses unterschiedlichen Begriffs vom Widerspruch macht das: Für Hegel ist das Wirkliche – das, “was vernünftig ist“  (Hegel 1969-71c, S. 24) – die bürgerliche Gesellschaft, während Marx gerade die Vernunft gegen diese unvernünftige Wirklichkeit stark machte (7) und bekanntlich den kategorischen Imperativ aufstellte, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“ (Marx 1976, S. 385)
 
 VI.
 Wenn die Logik Denkform des Werts, also notwendig falsches Bewusstsein ist, dann kann innerhalb ihres Systems das Bestehende nur verdoppelt werden. Dies ist ihr Zwangscharakter, der alles über sie hinausweisende mit einem Verbot belegt. So sehr die kritische Theorie deshalb darauf verwiesen ist, die Logik gegen sich selbst zu denken und darin das Nichtidentische, das von ihr unterdrückt wird, zu würdigen, so wenig kann der entscheidende Impuls zur Abschaffung innerhalb der Logik selbst liegen. Vielmehr verhält es sich so, dass dieser Impuls überhaupt nicht begrifflich fassbar ist, sondern durch alles Mögliche hervorgerufen werden kann und daher sowohl chaotisch als auch unkalkulierbar ist. Die Logik der diversen K-Gruppen, die darauf setzten, dass die Massen nur einer revolutionären Avantgarde bedürften, um sich die drängende Sehnsucht nach dem Kommunismus endlich auch offen einzugestehen, hat sich genau aus diesem Grunde kräftig blamiert. Der Wille zur Abschaffung des Bestehenden wird aus der Empörung über diese Zustände geboren – wenn er geboren wird. Kommunisten können die Zustände im Augenblick der Unmöglichkeit der Revolution lediglich denunzieren, die Empörung stellt sich ein oder sie tut es nicht. (8) 
 
 Die Logik ist wie das Kapital solange ein metahistorisches, autonomes Subjekt, bis die assoziierten Individuen es aus der Welt schaffen. Was an seine Stelle tritt, ist ungewiss; es besteht die Gefahr der negativen Aufhebung, der Barbarei. In Bezug auf die Logik hieße das: totale Willkür, die für den Einzelnen nichts anderes bereithält als das Recht des Stärkeren. Die negative Aufhebung der logischen wie bürgerlichen Ordnung wäre ein ins Unendliche gesteigertes Gewaltverhältnis, das keinen Schutz und keine Schonung mehr kennt. Die kommunistische Aufhebung der Logik dagegen wäre eine, die den Zwangscharakter der Logik durchbricht, ohne in Willkür umzuschlagen. Es wäre ein freies Denken, weil sich das Individuum ohne Angst in der Welt eingerichtet hat; ohne Angst auch vor der „Widerspruchsfreiheit“ der Logik, die alles, was sie als Widerspruch identifiziert, eliminiert. Der Widerspruch zwischen Individuum und Gattung würde nicht durch Ausbeutung und Unterdrückung – Gewalt – ausgetragen, sondern durch eine erst noch zu entwickelnde nicht-logische Vernunft zur Versöhnung gebracht.
 
 Für wertvolle Anmerkungen und Kritik danke ich Esther Marian.
 
 
 
Anmerkungen:
 
 
(1) Kritik bedeutet hier nicht, die Logik einfach zu verwerfen, sondern bestimmt über sie hinauszugehen – so wie ein kritischer Kommunismus die bürgerliche Gesellschaft auch als Voraussetzung für die Gesellschaft frei assoziierter Individuen aufzubewahren und zugleich zu überwinden trachtet.
 
 (2) Dass Marx’ Analyse im Kapital Gesellschaften gilt, „in denen kapitalistische Produktionsweise herrscht“, ist hier nur kurz gegen Positionen anzuführen, die mit Engels davon ausgehen, das Kapital handele von Gesellschaften, in denen „einfache Warenproduktion“ herrscht. Hier wurden logische und historische Entwicklung der Kategorien miteinander verwechselt.
 
 (3) Marx 1989a, S. 19. Noch deutlicher in den Grundrissen: „Ich setze jede der Waren = einem Dritten; d.h. sich selbst ungleich.“ Marx 1974, S. 686.
 
 (4) Das „freie Spiel der Kräfte“ ist, wie jeder, der mal Marx gelesen hat, weiß, Ideologie. Ein Unternehmer, der seine Waren permanent unter ihrem Wert verkauft, geht Pleite und einer, der den Preis deutlich über dem durchschnittlichen Preis der Konkurrenz ansetzt, ebenfalls. (Wertgesetz) Doch das reicht offensichtlich nicht aus: Der Staat hat extra den § 138 BGB geschaffen, der ein Rechtsgeschäft für nichtig erklärt, das „einem Dritten für eine Leistung Vermögensvorteile versprechen oder gewähren lässt, die in einem auffälligen Missverhältnis zu der Leistung stehen.“
 
 (5) Die Modallogik kennt außerdem noch „notwendig“ und „möglich“, was aber wiederum von der Zweiwertigkeit abhängige Modi sind.
 
 (6) Vgl. hierzu Jochen Hörischs Einführung in Sohn-Rethels Soziologische Theorie der Erkenntnis. Hörisch 1985, 26: „Wenn Rationalität so abkünftig, wenn elementare Formen des Denkens bloße Epiphänomene des entfalteten Äquivalententausches sind – wie soll dann eine Kritik dieser Rationalität durch eben diese Rationalität möglich sein?“
 
 (7) In der Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie heißt es: "Daß das Vernünftige wirklich ist, beweist sich eben im Widerspruch der unvernünftigen Wirklichkeit, die an allen Ecken das Gegenteil von dem ist, was sie aussagt, und das Gegenteil von dem aussagt, was sie ist." Marx 1976, S. 266.
 
 (8) „Je unmöglicher der Kommunismus ist, desto verzweifelter gilt es für ihn einzutreten“, sagt Horkheimer irgendwo.
 
 
 Literatur:
 
 
Adorno, Theodor W., Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben, Gesammelte Schriften 4, Frankfurt a. M. 1997a. 
 Adorno, Theodor W., Negative Dialektik, Gesammelte Schriften 6, Frankfurt a. M. 1997b.
 Elbe, Ingo, Marxismus-Mystizismus – oder: die Verwandlung der Marxschen Theorie in deutsche Ideologie, in: Prodomo 5/07. Vgl. S.
 Hegel, Georg Wilhelm Friedrich, Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften I, Werke Bd. 8, Frankfurt a. M. 1969-71a.
 Hegel, Georg Wilhelm Friedrich, Phänomenologie des Geistes, Werke Bd. 3, Frankfurt a. M. 1969-71b.
 Hegel, Georg Wilhelm Friedrich, Grundlinien der Philosophie des Rechts, Werke Bd. 7, Frankfurt a. M. 1969-71c.
 Hörisch, Jochen, Die Krise des Bewusstseins und das Bewusstsein der Krise. Zu Sohn-Rethels Luzerner Exposé, in: Alfred Sohn-Rethel, Soziologische Theorie der Erkenntnis, Frankfurt a. M. 1985.
 Marcuse, Herbert, Vernunft und Revolution. Hegel und die Entstehung der Gesellschaftstheorie, Frankfurt a. M. 1980.
 Marx, Karl, Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, Bd. 1, MEW 23, Berlin 1989a.
 Marx, Karl, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, MEW 42, Berlin 1974.
 Marx, Karl, Ökonomisch-philosophische Manuskripte, MEW 40, Berlin 1985.
 Marx, Karl, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung, MEW 1, Berlin 1976.
 Sohn-Rethel, Alfred, Das Geld, die bare Münze des Apriori, in: Paul Mattick/ Alfred Sohn-Rethel/ Hellmut G. Haasis, Beiträge zur Kritik des Geldes, Frankfurt a. M. 1976.
 Sohn-Rethel, Alfred, Geistige und körperliche Arbeit. Zur Theorie der gesellschaftlichen Synthesis, Frankfurt a. M.² 1973 (Erstauflage 1970).