Ausgabe #4 vom

„Das Wunder von Marxloh“

German Images (2)

BASTIAN ASSION

„Die Zeit ist reif, eine Moschee wird gebaut, die auch aussieht wie eine Moschee, die jeder erkennt, denn es gibt ja nichts zu verbergen“. (1) So heißt es in dem Werbefilmchen Das Wunder von Marxloh, der Propaganda für die im Duisburger Stadtteil entstehende größte Moschee Deutschlands betreibt. Die Anspielung auf die dem echten Deutschen Tränen in die Augen treibende Schmonzette Das Wunder von Bern dürfte bewusst gewählt sein, da die Ruinen, die der Kassenschlager in aller Breite dem rührseligen deutschen Publikum präsentierte, zum Teil in Marxloh, in der Nähe der Moschee, standen und während ihres Aufbaus abgerissen wurden. Mit der DITIB-Moschee entsteht also ein sichtbarer Beweis dafür, dass die Deutschen sich aus dem Schlamassel der Geschichte herausgezogen haben. Nicht nur die Trümmer, die im Wunder von Bern als Naturschicksal erscheinen, jedenfalls nicht in Zusammenhang mit dem Vernichtungskrieg der Deutschen gebracht werden, haben die Deutschen nun, nach über sechzig Jahren, restlos beseitigt, auch die moralischen Trümmer können als „geräumt“ betrachtet werden. Schließlich sind die Deutschen nun aufrechte Demokraten und Antirassisten. Allen voran die Marxloher: sie stehen – von Schulen und Kirchen bis hin zu Bürgerinitiativen – zusammen, wenn es gilt, das „Zentrum für interkulturellen Austausch“ im Untergeschoss der Moschee zu gestalten. Die Idee des Begegnungszentrums geht auf lokale Politiker zurück, gefördert wird das Projekt mit mehreren Millionen Euro von der Landesregierung NRW und der EU.
 
 Es wird dort ein deutsch-türkisches Islamarchiv eingerichtet, zudem sollen Seminarräume, ein Info-Center und ein Restaurant entstehen. Wie es zu dieser Zusammenarbeit zwischen der islamischen Gemeinde, lokalen Initiativen und der Politik kam, beschreibt Leyla Özmal, Projektleiterin der Entwicklungsgesellschaft Duisburg: „Die Moschee wurde jahrelang als Stadtteilprojekt, von unten her entwickelt. (…) Man muss die Menschen mitnehmen“. (2) Und das sei in Marxloh so gut gelungen, dass auch Nichtmuslime im Viertel den Bau inzwischen als „ihre Moschee“ ansähen. Moscheen bauen also als Stadtteilprojekt im Sinne des Slogans „Unsere Stadt muss schöner werden“, als Freizeitspaß für die ganze Familie. Ja, Multikulti ist in Marxloh nicht nur eine Phrase, sondern wird gelebt! Das neue Kreuzberg im Ruhrgebiet sozusagen. Die beiden Pfaffen des Stadtviertels sind besonders engagiert: sie wollen einen Rat der Religionen gründen und dafür sorgen, dass Pfarr- und Stadtteilfeste interreligiös gestaltet werden. Die Bürgerinitiative Marxloh hat bereits eine ganz tolle Idee, wo dieses kulturelle Miteinander stattfinden könnte. Sie will einen Rosengarten zwischen der katholischen Kirche und der Moschee errichten, der als Ort der Freude und Begegnung zwischen Moslems und Christen gedacht ist. Welch wunderbare Idee! Sollen die Gläubigen aller Schattierungen sich doch an jenem Rosengarten erfreuen, solange sie nur all diejenigen in Ruhe lassen, die von Religion, Kultur und Tradition nichts wissen wollen. Pro interreligiösem Rosengarten zwei Diskotheken, eine Bibliothek, vier Cafés und eine Kunstgalerie bitte! Doch solche Forderungen erhebt in Marxloh niemand.
 
 Seit Anfang Oktober droht bereits neues Ungemach über die bedrückende Idylle in Marxloh hereinzubrechen. Wieder sind es die bösen Medien, die, nachdem sie Marxloh in der Vergangenheit des Öfteren als „sozialen Brennpunkt“ diffamierten, nun den Einheimischen auch noch ihre schöne Moschee madig machen wollen. Denn Journalisten haben herausgefunden, dass die für die Mosche zuständige Baufirma dem altbekannten Nazi Günther Kissel gehört. Kissel hat wiederholt den Holocaust geleugnet und soll den Brandanschlag von Solingen 1993 als „Türkenbrand mit Todesfolge“ bezeichnet haben. Natürlich glaubt er auch an eine jüdische Weltverschwörung: “Nach meinem Empfinden kann es nicht mehr lange dauern bis das gesamte Lügengebäude zusammenbricht und die Handlanger des Zionismus in Bonn ihre Koffer packen können.“(3) Vom ARD-Nachtmagazin auf die politische Ausrichtung des Bauunternehmers angesprochen, fiel den versammelten Moscheebesuchern lediglich ein Achselzucken ein. „Ist mir egal, Hauptsache, die Moschee wird gebaut.“ (4) Aber warum sollte es einen echten Moslem auch stören, wenn einer daherquatscht wie Ahmadinedschad? Zieht man Kissels Äußerungen über den rassistischen Solinger Brandanschlag ab, die dieser womöglich in Zeiten der arisch-islamischen Gesinnungsgenossenschaft revidieren würde, würde er als Konvertit mit Sicherheit herzlich willkommen geheißen werden. Dem entsprechend bekundete die Sprecherin des Trägervereins der Begegnungsstätte (nicht der Moschee!), die immerhin schon seit einem Jahr von Kissels Nazigedankengut wusste, auch erst dann „Verabscheuung für eine solche Weltanschauung“ (5), als die Presse den Fall öffentlich gemacht hatte. Natürlich bedeutet das nicht, dass sich die verantwortliche DITIB von ihrem Bauunternehmer trennen würde. Diese Trennung sei auf Grund von Verträgen nicht möglich, da in einem solchen Fall eine Konventionalstrafe zu zahlen sei, die 200.000 Euro betrage, so Zülfiye Kaykin, Geschäftsführerin des Trägervereins der Begegnungsstätte. Dass bei einem Bau, der 6,6 Millionen Euro kosten wird, eine solche Strafe nicht zahlbar sein soll, kann nur als lächerlich bezeichnet werden. Der Moscheeverein versprach stattdessen, dafür ausgleichend mehr antirassistische Arbeit zu leisten. Was dabei herauskommen wird, kann sich jeder ausmalen. Und was den Namen angeht: Wie wäre es mit einer Hans-Christian-Ströbele-Stiftung gegen Islamophobie und zionistischen Rassismus?
 
 
 Anmerkungen:
 
 
(1) www.zeit.de/2005/48/Marxloh.
 
 (2) www.wdr.de/themen/kultur/religion/moscheebau/index.jhtml.
 
 (3) www.dir-info.de/dokumente/ejgr_dpg/kasse.shtml.
 
 (4) www.tagesschau.de/video/0,1315,OID5981922,00.html.
 
 (5) www.wdr.de/themen/kultur/religion/moschee_duisburg/061005.jhtml;