Ausgabe #3 vom

„Die Welt zu Gast bei Freundinnen“

German Images (I)

JAN HUISKENS

Es sollte ein gelungener Werbecoup werden: Das Kölner Bordell „Pascha“ verband die Vorfreude auf die Weltmeisterschaft mit Überlegungen zur Steigerung des Profits. Wenn im Sommer Fußballfans aus aller Herren Länder auch in die Domstadt strömen, um ihrem Team die Daumen zu drücken, so gelüstet es sie vielleicht zwischen den Matches nach käuflichem Sex - so die unspektakuläre Feststellung der Betreiber des Freudenhauses. Um der zu erwartenden Kundschaft einen gebührenden Empfang zu bereiten, wurde ein Transparent mit der doch recht amüsanten Aufschrift „Die Welt zu Gast bei Freundinnen“ am mehrstöckigen Bordell angebracht. In der Hoffnung, den ein oder anderen schwedischen oder englischen Mann in die eigenen Gemächer zu locken, wurde das acht mal 24 Meter große Transparent zudem mit einer hübschen, barbusigen Frau versehen sowie mit den Flaggen sämtlicher 32 an der WM teilnehmenden Nationen. Man könnte meinen, ein lustiger Einfall, auch wenn man die Kritik der Warenform selbstverständlich auch auf die Ware Sex zu beziehen gewöhnt ist und aus diesem Grund möglicherweise wenig Sympathien für derlei Tauschvorgänge hegen mag. (1)

Die Anhänger des Korans jedoch sahen die Sache ein wenig anders. Gerade weil im Islam die Frauen auf das Gebären von Kindern reduziert werden - auf ein „Saatfeld“ -, können Moslems offiziell kein Gefallen an einer Form des Sex finden, die zumeist mit Gummi abläuft und einzig und allein auf die Befriedigung von körperlichen Bedürfnissen ausgerichtet ist - was natürlich nicht heißen soll, Moslems würden keinen käuflichen Sex in Anspruch nehmen, im Gegenteil: die rigide Sexualmoral des Islam treibt nicht nur viele Moslems in die Betten der Prostituierten (schließlich ist außerehelicher Sex streng verboten, Huren jedoch gelten nicht als Menschen, sondern als Dinge), sondern lässt die Ehe selber zu einer Form von organisierter Zwangsprostitution geraten. Der Frau wird wie der Prostituierten das Recht auf eigene sexuelle Befriedigung abgeschlagen, sie hat sich stets dem Willen des Ehemannes bzw. des Kunden unterzuordnen und erhält dafür ihren „gerechten“ Lohn - einen „Fuffi“ bzw. ein Dach überm Kopf inklusive Verpflegung (wobei die Prostituierte den klaren Vorteil hat, abseits von ihrem Job das tun und lassen zu können, was sie will - es sei denn, sie hat einen Boss, der ihr das Leben zur Hölle macht, was aber entgegen dem Klischee nicht notwendigerweise der Fall ist).

Als das besagte Transparent aufgehängt wurde, tauchten plötzlich ein paar Übereifrige auf, um mal so richtig den Pascha zu machen: es ginge nicht an, dass die heiligen islamischen Länder Iran und Saudi-Arabien mit solch einer schmutzigen Unzüchtigkeit wie dem nackten Körper einer schönen Frau in Zusammenhang gebracht würden. Sie verlangten die Entfernung der jeweiligen Staatsflaggen und drohten bei der Abweisung ihrer Forderung mit Gewalt. Als die Bordell-Betreiber zunächst nichts unternahmen, tauchten plötzlich „vermummte und bewaffnete Personen“ auf, „um den Forderungen Nachdruck zu verleihen. Um weiteren Ärger zu vermeiden, habe sich die Geschäftsleitung entschieden, die Flaggen der beiden streng islamischen Länder zu übermalen. Eine Sprecherin der Kölner Polizei äußerte die Vermutung, bei den Protestierern habe es sich um Moslems gehandelt. Sie hätten sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt gefühlt.“ (Stern, 24.4.06) Ob die Kölner Polizei, die in letzter Zeit des Öfteren dadurch von sich reden macht, dass sie Kritiker des Islams verfolgt, die Strafverfolgung wegen Erpressung und Nötigung aufgenommen hat oder die Sache bei sich bewenden lässt, weil es ja schließlich um verletzte „religiöse Gefühle“ ging, ist nicht bekannt. Das Kuschen vor dem Islam ist gefährlich, weil sich dessen Anhänger dazu ermutigt fühlen könnten, demnächst öfter mit einer kleinen autonomen Miliz vorbeizuschauen und die Einhaltung ihres paranoiden Regelwerkes einzufordern.


Anmerkung:

(1) Eine moralische Kritik an der Prostitution wäre mit dem Verweis auf die Totalität kapitalistischer Vergesellschaftung zurückzuweisen - denn ob ein anderer Job angenehmer ist als der der Prostitution, darüber gibt es wohl von Individuum zu Individuum unterschiedliche Auffassungen. Die Kritik der Prostitution wäre im Rahmen einer Kritik der Lohnarbeit vorzunehmen, nicht auf der Basis einer protestantischen Moral. In diesem Sinne wären auch Bestrebungen von Interessensvertretern von Prostituierten nach einer Legalisierung bzw. der Bildung von Gewerkschaften zu unterstützen, welche nicht nur bessere Arbeitsbedingungen und sicherere Löhne bedingen könnten, sondern auch den Umfang der Zwangsprostitution und des Menschenhandels beträchtlich einschränken könnten.