Ausgabe #12 vom

Editorial

In eigener Sache

Liebe Leserinnen und Leser,
 
 plötzlich wimmelt es nur so vor Antinationalisten. Was vor 15 Jahren noch undenkbar schien, aber während des Kosovokrieges schon mal ausgetestet wurde, ist nun allgegenwärtig: Der Zeitgeist ist antinational geworden – und zwar nicht nur in Deutschland. Im Iran beispielsweise sitzt ein Präsident, der alle Nase lang dazu aufruft, den jüdischen Nationalstaat zu vernichten, in Libyen will ein sich als Kaiser aufführender Zeltbewohner die Schweiz „zerschlagen“ und an seine Nachbarn verteilen und in Israel fordert ein ultrakritischer Professor, einen Staat „jenseits nationaler Identitäten“ zu errichten. Und in Deutschland? Auch in dem Land, in dem die antinationale Ideologie ihren Ursprung hat, steht man selbstredend nicht zurück: In Saarbrücken etwa demonstrierten am 3. Oktober die radikalsten aller radikalen Gruppen – nämlich die vom Ums Ganze-Bündnis – gegen „alle Nationalstaaten“ hinter einem Transparent, auf dem die Fahnen Israels und der USA durchgestrichen waren. Darüber der Slogan: „Nationale Konstrukte angreifen!“ Dass sich seit je Antikapitalisten an „nationalen Konstrukten“ stören, denen sie das Echte, Unmittelbare, sprich: Blut und Boden entgegenstellen, ist kein Geheimnis. Dass allerdings Freunde Israels, die auch an der Demonstration teilnahmen, gegen solche antisemitischen Parolen aus opportunistischen Gründen nicht vorgingen, ist überraschend und betrüblich. Wem es um Israel geht, der sollte allen deutschen Ideologen, die vom „Ganzen“ schwadronieren, die rote Karte zeigen. Gerade, wenn es sich um bekennende Antinationalisten handelt.
 
 Viel Vergnügen bei der Lektüre der neuen Prodomo wünscht
 
 Die Redaktion
 
 PS: Ein Artikel zu den Geschehnissen im Iran ist bis zum Redaktionsschluss leider nicht fertig geworden, wird aber in der nächsten Ausgabe – dafür um so ausführlicher und auf dem aktuellsten Stand – nachgereicht.
 
 Köln, Juni 2009