Ausgabe #10 vom

Editorial

In eigener Sache

Liebe Leserinnen und Leser,
 
 
der Antiimperialismus, also die Ideologie der unterdrückten Völker, hat viele Fürsprecher. Einer davon ist Heinz-Christian „HC“ Strache, Bundesvorsitzender der Freiheitlichen Partei Österreichs, der in einem Interview mit den Online-Redakteuren der Wiener Tageszeitung Der Standard auf die Frage: „Die USA haben einen neuen Präsidenten gewählt. Glauben Sie, wäre Österreich bereit für eine Person mit Migrationshintergrund als Präsident oder Kanzler?“, folgendes antwortete: „Das ist eine völlig andere historische Entwicklung, die man mit der europäischen nicht vergleichen kann. Die Ureinwohner in Amerika sind Indianer. Es wäre schön, wenn ein Indianer Präsident der Vereinigten Staaten wäre. Das wäre gerecht. So handelt es sich bei Weißen als auch bei Schwarzen um Zuwanderer.“
 
 Und diese „Zuwanderer“, also Volksfremde, die den urwüchsigen Indianervölkern seit Jahrhunderten die Herrschaft über ihren angestammten Boden, also das Staatsgebiet der USA, vorenthalten, haben dort noch nie etwas verloren gehabt. Deswegen kann sich „HC“ auch nicht für den designierten US-Präsidenten Barack Obama erwärmen. Die historische Entwicklung Europas ist mit der der USA tatsächlich nicht zu vergleichen, in der Gedankenwelt des "HC" gelingt der Vergleich der Indianer mit den Österreichern dafür umso besser. Zwar können sich die Österreicher dank vergleichsweise geringen Zustromes von Volksschädlingen gerade noch so gegen die zersetzende Zuwanderung behaupten, während die Indianer Nordamerikas schon vor längerer Zeit zu großen Teilen ermordet und vertrieben worden sind, aber „HC“ und seine VGs sind sich sicher, dass zwei blutsmäßig mit dem Boden verwurzelte Völker diesen gegen eine entwurzelnde Übermacht verteidigen müssen. Das vermeintlich Urwüchsige und damit automatisch Gute gelte es gegen das Künstliche des Weltmarktes und seiner „überflüssigen“ Menschen aus dem Ausland, die sich in Ländern wie Österreich ein besseres Leben erhoffen, zu schützen. Trotzdem wird man demnächst in keiner der einschlägigen linken Publikationen für Völkerschutz von der Bedrohung der österreichischen Stämme durch Einwanderungsimperialismus lesen. Konsequent wäre es jedoch allemal.
 
 Die Redaktion
 
 Köln, Dezember 2008