Ausgabe #10 vom

Die Weisen von Palästina

Hillel Cohen erzählt die Geschichte palästinensischer Kollaborateure

MATHIAS SCHÜTZ

Antisemitismus ist nicht bloß ein in sich geschlossenes Welt(v)erklärungsmodell, das es analytisch zu umreißen gilt, sondern ein pathologischer Zwang, Menschen als Juden zu identifizieren, um sie anschließend ermorden zu können. Im Antisemitismus sind Theorie und Praxis notwendig vereint: Der Antisemit kann sich nicht in der Gewissheit, die Welt verstanden zu haben, selbstzufrieden zurücklehnen, sondern ist ein Getriebener, der ständig danach trachtet, zur Tat zu schreiten. Die Voraussetzungen dafür, dass der Antisemitismus sich hemmungslos ausagieren kann, sind daher stets auch institutioneller Natur; wo eine Gesellschaft dem „zur Tat schreiten“ keine Barrieren setzt, hat der Antisemit leichtes Spiel. Existenz, Umfang und Form dieser Barrieren sind – nimmt man die Bekämpfung des Antisemitismus als Maßstab für die Zivilisiertheit einer Nation – Ausdruck der Resistenzkräfte einer bürgerlichen Gesellschaft. 
 
 Der Kampf der palästinensischen Nationalbewegung gegen den Zionismus war bekanntlich ein antisemitischer. Dennoch war der Antisemitismus keineswegs die alleinige und von Anfang an hegemoniale Ideologie der feudalen islamischen und christlichen Bevölkerung Palästinas. Gleichermaßen ist auf den auf Grundlage der Inwertsetzung des Orients sich vollziehenden Transfer des Judenhasses als Teil der Modernisierung hinzuweisen, wie sein spezifisch islamischer Charakter zu betonen. Dieser rührte aus der verächtlichen Stellung der orientalischen Juden als dhimmi her und verschärfte sich mit der zunehmenden Kluft zwischen Orient und Okzident. Mit dem Kollaps des Osmanischen Reiches sahen sich die Araber Palästinas zu einem Gutteil auch der Tradition beraubt, die – gerade weil sie jetzt in institutionalisierter Form nicht mehr existierte – umso heftiger beschworen werden musste. Die Bewahrung der Tradition in Zeiten der absoluten Auflösung alles Althergebrachten schien nur in der Konstruktion einer transhistorischen, durch Rasse und Religion verbundenen Gemeinschaft gelingen zu können: der panarabischen Einheit. Weil ein wie auch immer geartetes „Gemeinwohl“, das eine substantielle Identität hätte stiften können, aber partout nicht ausfindig zu machen war, musste das, was die arabische Einheit ausmacht, negativ bestimmt werden. Arabisch ist, was nicht jüdisch ist. Besondere Wirkungsmacht entfaltete dieser völkische Wahn vor dem Hintergrund der tatsächlichen Zerrissenheit der arabischen Welt, in der verschiedene Herrscher die Führerschaft beanspruchten. Weil das panarabische Reich letztlich ein in die Zukunft projiziertes Zerrbild des Kalifats war, das niemals auch nur im Ansatz einer Verwirklichung nahe war, musste sich die arabische Einheit ständig selbst dementieren. In Palästina schlug sich der Doppelcharakter des "Arabismus" (Gudrun Krämer), der einerseits zu faszinieren wusste und andererseits zum Scheitern verurteilt war, in der Konfusion über den nationalen Status und die einzuschlagende Richtung nieder. Der Widerspruch zwischen dem Ziel der Gründung eines palästinensischen Nationalstaates und der panarabischen Idee wurde verdrängt durch den Einheit stiftenden Kampf gegen die Juden und ihre tatsächlichen oder vermeintlichen Kollaborateure.
 
 Von diesem Kampf gegen Volksfeinde und Juden als Antipoden der palästinensischen Nation handelt das Buch Army of Shadows des israelischen Historikers Hillel Cohen, dessen Beitrag zum Verständnis der palästinensischen Nationalbildung gar nicht überschätzt werden kann. „Kollaboration“ hat bei Cohen eine rein deskriptive und wertfreie Bedeutung, allein schon weil es, wie im Verlauf der Darstellung klar wird, einzig willkürliche Kriterien für die Kollaboration und den an sie gekoppelten „Verrat“ geben kann. Behandelt wird die Kollaboration von palästinensischen Arabern in der Zeit zwischen dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Staatsgründung Israels nach dem Sieg über die arabischen Armeen. Die Protagonisten dieser Kollaboration wie auch deren Beweggründe waren sehr unterschiedlich: Eines der Hauptmotive, der finanzielle Aspekt, kam insbesondere beim Verkauf von Grund und Boden zum tragen. Nicht nur Großgrundbesitzer, die im fernen Damaskus oder Beirut weilten, waren bereit, den zionistischen Pionieren Land zu verkaufen, wie es die delegitimierende (pro-)palästinensische Überlieferung will. Vor allem Beduinen, aber auch normale Bauern kamen mit den Zionisten ins Geschäft, auch wenn ihnen dies oft nicht zum Vorteil gereichte, weil sie von der palästinensischen Nationalbewegung, und teilweise auch vom eigenen Dorf oder gar der eigenen Familie, denunziert und verstoßen wurden, sie also infolge dessen tatsächlich entwurzelt und zudem auf das Stadtleben nicht vorbereitet waren. Ebenfalls von Cohen zur Kategorie „Opportunismus“ gezählt wird der Wunsch, sich mit den neuen Herrschern, den Briten und den mit diesen identifizierten Juden, gut zu stellen, vor allem, um Positionen in der Verwaltung oder bei der Polizei für sich oder Familienangehörige zu ergattern. „Über dieses elementare Motiv hinaus unterteilten sich jedoch die Araber, die mit den Zionisten kooperierten, in vier Kategorien. Erstens gab es jene, die zum eigenen Vorteil handelten […]. Zweitens wurde im Namen des kommunalen Interesses gehandelt, wie etwa von Stammesführern bei den Beduinen oder Dorfvorstehern. Diese sahen ihre Verbindung mit den Juden als Weg, nicht nur sich selbst, sondern der mit ihnen identifizierten Gruppe zu helfen. Die dritte Kategorie bestand aus denjenigen, die eine nationalistische Motivation hatten oder dies behaupteten. Sie boten eine Alternative zur Ideologie und Taktik der palästinensischen Nationalbewegung mit der Begründung, dass sie gerade so im Interesse der Nation handelten. Eine vierte Gruppe bestand aus Kollaborateuren, deren Motive ethische und humanistische waren. Sie hatten jüdische Freunde und Nachbarn und waren angewidert von der Gewalt der palästinensischen Nationalbewegung.“ (S. 67) Oft verbanden sich diese Motive auch, etwa in der Initiative führender arabischer Bewohner Hebrons, entgegen den Weisungen und Attacken von Seiten der palästinensischen Nationalbewegung, die Juden Hebrons nach dem Massaker von 1929 wieder in die Stadt zurückzuholen. „Wenn diese Unterstützung für die Rückkehr der Juden auch zum größten Teil ökonomische Bedürfnisse widerspiegelte, betonten die Araber Hebrons, inklusive jener, die während des Massakers Juden geholfen hatten, doch den sozialen und moralischen Aspekt ihrer Initiative.“ (S. 92) Ein besonderer Fall war der langjährige arabische Bürgermeister von Haifa, Hasan Shukri, der aus seiner Favorisierung einer Kooperation mit den Zionisten keinen Hehl machte und etwa den Versuch einer palästinensischen Delegation, die britische Mandatsmacht zu einer Abkehr von der Balfour-Deklaration zu bewegen, wie folgt kommentierte: „Wir empfinden das jüdische Volk nicht als Feind, dessen Wunsch es ist, uns zu zerstören. Im Gegenteil. Wir empfinden die Juden als ein brüderliches Volk, das unsere Freuden und Probleme teilt und uns beim Aufbau unseres gemeinsamen Landes hilft. Wir sind sicher, dass es ohne jüdische Immigration und finanzielle Unterstützung keine zukunftsträchtige Entwicklung unseres Landes geben wird.“ (S. 15) Shukri sprach als Präsident der Muslim National Associations, einer der vielen arabischen Parteien, die öffentlich für eine Kooperation mit dem Zionismus eintraten und dafür im Gegenzug unterstützt wurden. Der Effekt dieser oft kurzlebigen Parteien lag nicht in ihrem nicht sonderlich großen unmittelbaren Einfluss auf die öffentliche Meinung und die Politik der palästinensischen Nationalbewegung, sondern in ihrer Funktion als Bindeglieder zwischen an Zusammenarbeit interessierten arabischen Familien und Personen und dem Yischuv; zu Beginn der zwanziger Jahre wurden hier Kontakte geknüpft, die sich teilweise als für beide Seiten lebenswichtig herausstellen sollten.
 
 Wie gesagt, handelten nicht alle Kollaborateure aus einer so idealistischen und versöhnlichen Motivation heraus wie Hasan Shukri, den auch drei Mordversuche nicht von seiner prozionistischen Haltung abbringen konnten. Die meisten suchten aus banaleren – finanziellen, beruflichen oder persönlichen – Gründen die Zusammenarbeit mit den Zionisten. Stand hierbei zuerst die Vermittlung von erwerbbarem Land im Vordergrund, so wurde die Bereitstellung von Informationen mit der Zeit immer wichtiger: Der Nachrichtendienst der Haganah war regelrecht abhängig von den Informationen, die von Kollaborateuren übermittelt wurden. Mit der Verschärfung der Gegensätze, der Radikalisierung der Rhetorik der palästinensischen Nationalbewegung bis hin zum Aufstand der Jahre 1936-39, war die rechtzeitige Warnung vor Überfällen und Anschlägen existentiell für unzählige Menschen und ihre Siedlungen. Dass viele Palästinenser sich hierfür zur Verfügung stellten, selbst als dies nicht weniger als lebensbedrohlich war, hat vor allem Gründe, die, wie Cohen zeigt, mit der Konstitution der palästinensischen Nationalbewegung selbst zu tun haben.
 
 Die Stärke von Cohens Darstellung liegt nämlich weniger in der imposanten Fülle von Beispielen palästinensischer Kollaboration mit dem Zionismus, die er aus den 31 Jahren, die das Buch umfasst, und aus allen Teilen des britischen Mandatsgebietes zusammengetragen hat; vielmehr gewinnt man  - und das ist die Stärke des Buches, weil es einen Kontrapunkt zu den üblichen Darstellungen setzt - durch diese Fülle schon fast den Eindruck, als habe es jenseits des Clans von Amin al-Husseini, des Muftis von Jerusalem und ideologischen 'master minds' der palästinensischen Nationalbewegung, kaum Kämpfer gegen den Zionismus gegeben. Aber Cohen hält zugleich fest und macht damit die diffizile Situation deutlich: „Tatsächlich gab es in Palästina viele mit patriotischen Idealen, auf Grund der Angst, die Juden würden das Land übernehmen.“ (S. 267) Die „patriotischen Ideale“ waren also unmittelbar mit einer Angst vor den Juden verbunden (ironischerweise erwies sich diese Angst, genährt durch von Kollaborateuren verbreitete Horrorstorys über die Stärke und die schrecklichen Ziele der Juden, im Unabhängigkeitskrieg teilweise als stärkste Waffe der jüdischen Verteidigungskräfte, da sie beim Gegner zu Fahnenflucht und somit zur Vermeidung von Kampfhandlungen führten). Folgerichtig betonten 1941 in einer Umfrage 88% der Befragten ihre Unterstützung Nazideutschlands (S. 175). Aber augenscheinlich waren damals die meisten Palästinenser nicht bereit, die Aufgabe, deren Erfüllung sie sich von den Nazis erhofften, selbst in die Hand zu nehmen. Das antisemitische Ressentiment war vorhanden und wurde geschürt, aber es drängte nicht zur Tat, sondern wurde von alltäglichen Sorgen und Problemen überlagert, die man nicht mit den Juden identifizierte. Die großen Aktionen der palästinensischen Nationalbewegung, wie der Generalstreik und der darauf folgende Aufstand ab 1936, konnten nur deshalb innerhalb der arabischen Gesellschaft Palästinas eine so große Wirkung entfalten, weil der avisierte und dann doch ausbleibende Erfolg, die Briten mittels ökonomischen und politischen Drucks zum Stopp der jüdischen Einwanderung zu bewegen, durch gewalttätige Kampagnen gegen „Verräter“ kompensiert wurde. Insofern war der „arabische Aufstand“ in erster Linie ein Kampf zur internen Homogenisierung: die Palästinenser sollten mittels Gewalt auf die richtige, antijüdische Linie gebracht werden. Und auch im latenten und dann offenen Krieg 1947/48 war es für viele Palästinenser noch nicht einsichtig, warum man nicht nur keine so dringend notwendigen geschäftlichen und sozialen Beziehungen mit den jüdischen Nachbarn pflegen, sondern ihnen auch noch den Tod wünschen sollte. Deswegen setzte die palästinensische Nationalbewegung so viel daran, das „Bild der Koexistenz“ (S. 212) zu zerstören: in den Gewerkschaften, in den Wohnvierteln, im Geschäftsleben. 
 
 Doch dies gelang ihr vorerst noch nicht. Stattdessen befeuerte die Nationalbewegung unfreiwillig selbst die Kollaboration. Denn außer dem kollektiven Opfer für Abstraktionen wie die völlig unbestimmte Nation oder den heiligen islamischen Boden hatte sie tatsächlich nichts anzubieten; sie war in sich widersprüchlich, was Cohen dem Leser permanent mit dem Begriff „palästinensisch-arabisch“ vor Augen führt, denn was Palästina war und in welcher Form es bestehen sollte, ob eigenständig, panarabisch oder transjordanisch, darüber war man sich eben alles andere als einig. Die palästinensische Nationalbewegung war zwar dominiert vom Mufti und seinem Clan, aber gerade deswegen nicht durchweg homogen: Zwar hat der Mufti dem palästinensischen Nationalismus in all seinen Ausprägungen von Beginn an und bis heute seinen Stempel aufgedrückt. Aber weil dieser zugleich tribal-familiär, autoritär-nationalistisch und nicht zuletzt islamisch war, barg er die politischen Gegensätze, die zunächst zwischen dem Clan der Husseinis mit dem der Nashashibis ausbrachen und bis zu den heutigen Auseinandersetzungen zwischen Fatah und Hamas reichen, schon in sich. Gerade diese Gegensätze wurden und werden immer noch maßgeblich ausgetragen über einen Begriff, den Cohen zu Recht ins Zentrum seiner Darstellung stellt: den des Verräters. 
 
 Der Alleinvertretungsanspruch des Muftis, der sich gegen rivalisierende Familien genauso richtete wie gegen den jordanischen König Abdallah, führte zu einer inflationären Diffamierung von politischen Gegnern als Verräter, inklusive der gnadenlosen Konsequenzen, die so eine Betitelung, welche meist öffentlich in Zeitungen, auf Flugblättern und in Moscheen zelebriert wurde, mit sich brachte. „Im Juni [1939; M.S.] berichtete eine nachrichtendienstliche Quelle, dass der Mufti die Liquidierung aller Verdächtigen, sogar jener in der eigenen Familie, angeordnet hatte.“ (S. 171) Aber: „Das bedeutet nicht, dass die Führung der Rebellen hinter allen Morden an Palästinensern steckte. Um genau zu sein, verlor sie die Kontrolle.“ (S. 142) Die zutiefst bandenförmige Struktur des arabischen Aufstandes und der Nationalbewegung im Allgemeinen förderte diese nationale Selbstjustiz ungemein, die allein von 1936 bis 1939 ca. 1.000 Palästinenser das Leben kostete. Cohen übernimmt hierfür den israelischen Ausdruck der „Jagdsaison“ (S. 136), der ursprünglich den Kampf der Haganah gegen die rivalisierenden paramilitärischen Verbände Etzel und Lechi bezeichnet, hebt jedoch hervor, dass es einen qualitativen Unterschied zwischen der palästinensischen und der israelischen Jagdsaison gab: die israelische war kein Exzess, sondern mündete, jenseits der Kampfhandlungen, in Gerichtsverfahren anstatt in Selbstjustiz und Exekutionen. Neben die schon beschriebenen Motive für die Kollaboration traten nun die Motive der Rache und der Selbsterhaltung, die ganze Clans an die Seite der Zionisten und Briten trieb, mit deren Hilfe sie so genannte arabische 'Peace Units' aufbauten und gegen die Terrorbanden kämpften, der Erkenntnis folgend: „Unsere Situation ist wie die ihre.“ (S. 180) Offensichtlich schafften es die Zionisten also zeitweise, ein weitaus größeres Maß an Allgemeinheit und Vertrauen unter den Palästinensern zu schaffen als die palästinensische Nationalbewegung. Diese Zusammenarbeit wurde zum Teil über das Ende des Aufstandes hinaus aufrechterhalten, zum Teil ab 1947 reaktiviert. Prinzipiell lässt sich sagen, dass die Erfahrungen vieler Palästinenser mit dem Terror des Aufstandes und der permanenten, willkürlichen Diffamierung von Verrätern dazu führten, dass diese sich vom Mufti und der palästinensischen Nationalbewegung abwandten oder zumindest ihre Angst vor den Zionisten relativierten. „Das Interesse der palästinensischen Araber, die Juden zu bekämpfen, scheint nicht sehr groß gewesen zu sein.“ (S. 235) Unzählige Dörfer verwehrten im Unabhängigkeitskrieg den Jihadisten des Muftis und den panarabischen Armeen den Zutritt, handelten friedliche Übergaben mit den jüdischen Verteidigungskräften aus oder unterstützten diese auf die eine oder andere Weise. Deswegen wurde den Palästinensern von den arabischen Armeen ein generelles Misstrauen entgegengebracht, aus welchem sich sehr viel über die Motive der arabischen Flüchtlingspolitik bis in die Gegenwart ablesen lässt. 
 
 Während auf der Ebene der offiziellen Politik die vom Mufti dominierte Nationalbewegung in der Zeit des Aufstandes endgültig die Oberhand gewonnen hatte, ihre Rivalen durch Terror und Morde paralysierte und dezimierte – deren wichtigste Figur, Fakhri Nashashibi wurde Ende 1941 in Bagdad auf offener Straße erschossen – und ihren Alleinvertretungsanspruch somit durchsetzte, erreichte sie laut Cohen gesellschaftlich das Gegenteil einer nationalen Homogenisierung, nämlich die Stärkung der partikularen, etwa familiären oder religiösen Identitäten und Interessen. Das Unbehagen angesichts des Zwanges zur Homogenität war tatsächlich das stärkste Motiv der Kollaborateure. Die Kollaboration hatte also, über den offenkundigen Effekt für den Zionismus und die persönlichen Vorteile für viele Palästinenser hinaus, einen weiteren positiven Effekt: „Die Abwesenheit von Unterstützung von bedeutenden Teilen der Bevölkerung ist dafür verantwortlich, dass Individuen, mögen ihre Einstellungen noch so nationalistisch sein, der Wille, ihr Leben zu riskieren, genommen wird.“ (S. 250) Der Krieg gegen die Juden konnte einfach nicht zu sich selbst kommen und die Gründung des Staates Israel verhindern, die antisemitische palästinensische Nationalbewegung konnte erst nach dieser endgültigen Niederlage in einem Kampf, der nicht nur die Nicht-Existenz eines palästinensischen Staates, sondern auch die Flucht und Vertreibung von Hunderttausenden zur Folge hatte, ihre Wirkungsmacht entfalten: durch den nationalen palästinensischen Gründungsmythos, al-Nakba, durch die Beschwörung des kollektiven Opfers, welches in der Katharsis der Nation, im Kampf gegen Juden und Kollaborateure, noch nicht gelang. Dass sich die Weigerung, sich für die Sache der Nation zu opfern, nur ja nicht wiederholen möge, dafür sorgen seither die arabischen Staaten, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, die palästinensischen Parteien und ihre Unterstützer im Westen, die alles dafür tun, dass die Palästinenser ihr in der Vergangenheit nicht allzu schlechtes Auskommen mit den Zionisten vergessen und dafür stets das vermeintliche Schicksalsereignis al-Nakba vor Augen haben. In solch einer Gesellschaft sind sämtliche Barrieren, die den Antisemiten vom „zur Tat schreiten“ abhalten können, abhanden gekommen. 
 
 
 Hillel Cohen, Army of Shadows. Palestinian Collaboration with Zionism, 1917-1948, University of California Press, Berkeley - Los Angeles 2008, 344 S., 26,99 Euro.